Dr. Horst Schumann:

Oberleutnant der Luftwaffe und SS-Sturmbannführer, geboren 1906 als Sohn eines Arztes in Halle/ Saale. Seit 1930 Mitglied der NSDAP und seit 1932 in der SA. Schumann promovierte 1933 in Halle zum Dr. med., wurde 1934 beim Gesundheitsamt in Halle eingestellt und 1939 bei Kriegsbeginn als Unterarzt zur Luftwaffe eingezogen.
1939 aufgefordert, sich als Arzt an der Euthanasie zu beteiligen sagte er nach kurzer Bedenkzeit zu. Im Januar 1940 wurde er Leiter der Anstalt Grafeneck in Württemberg, wo die Menschen durch Motorenabgase getötet wurden. 1940 wurde er Direktor der Anstalt Sonnenstein in Sachsen. Schumann gehörte den Ärztekommissionen an, die arbeitsunfähige und schwache Häftlinge in den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Groß-Rosen, Mauthausen, Neuengamme und Niederhangen aussuchte. 1942 kam Schumann nach Auschwitz, um Massensterilisation von Männern und Frauen zu erproben.

 
1944 verließ Schumann Auschwitz.
Ab Oktober 1945 in Gladbeck arbeitet er als städtischer Sportarzt.
Mit einem Flüchtlingskredit eröffnete er 1949 eine eigene Praxis und fiel erst 1951 als ge-suchter NS-Verbrecher auf. Schumann konnte fliehen. In den nächsten Jahren als Schiffsarzt tätig, arbeitete er seit 1955 im Sudan, von wo er 1959 über Nigeria und Lybien nach Ghana floh. Erst 1966 wurde er an die BRD ausgeliefert. Im September 1970 wurde der Prozeß gegen ihn eröffnet, aber bereits im April 1971 wegen zu hohem Blutdrucks des Angeklagten unterbrochen. Schumann wurde am 29. Juli 1972 aus dem Gefängnis entlassen. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Frankfurt, wo er am 5. Mai 1983 starb.