Einleitung

Inhalt: Verwendung zur Vergasung von Menschen in den Konzentrationslagern AuschwitzMajdanek/LublinSachsenhausenRavensbrückStutthofMauthausen.

Mittels einer Stanze wurde der Deckel der Büchsen im Freien entfernt. Auf die geöffneten Büchsen stülpte ein zweiter Arbeiter eine Gummikappe, welche durch den Desinfektor vor Ort der Anwendung entfernt wurde. Den Inhalt der Büchse kippte dieser dann auf den Fußboden. So konnte das Giftgas gut aus dem Trägermaterial heraus verdunsten.

Während des gesamten Vorgangs trugen alle Beteiligten Schutzmasken.

Zyklon-B Dose in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ravensbrück. (Quelle: Forschungsgruppe Zyklon B, Dessau)

Zyklon-B Dose in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ravensbrück. (Quelle: Forschungsgruppe Zyklon B, Dessau)

Zyklon B wurde als Schädlingsbekämpfungsmittel hergestellt. Von 1941 bis 1945 wurde es zweckentfremdet und von den Nazis zur Ermordung hunderttausender Menschen in den Konzentrationslagern missbraucht.

Der Einsatz von Zyklon B zur fabrikmäßigen Tötung von Menschen wurde erstmals im Herbst 1941 in Auschwitz getestet. Dazu wurde der Block 13 (spätere Umbenennung in Block 11) mit Baustoffen und Erde abgedichtet. Der von Rudolf Höss angegebene Termin der Erstanwendung vor Gericht (3.9. 1941) ist historisch umstritten. Fest steht, dass die ersten Opfer des Massenmordes 600 sowjetische Kriegsgefangene, sowie ca. 270 polnische Häftlinge waren. In jüngeren Darstellungen wird die erste Vergasungsaktion in den Kellern des Blocks 11 auf den Zeitraum zwischen dem 5. Dezember und Ende Dezember datiert. Im 4. Teil (»Die Mordfabrik«) der Serie »Holocaust«, wurde von der Nacht zum 05.09.1941 als Tag der Erstanwendung gesprochen. (vgl.: Klodzinski 1999; Pressac 1995:149; Piper 1997:243 ff; FG Zyklon B, Zyklon B, BoD 2007:127ff)

Vermutlich war es Karl Fritzsch, erster Schutzhaftlagerführer von Ausschwitz, der auf die Idee des Einsatzes von Zyklon B kam und die Gefangenen in die Kellerräume treiben ließ.»Durch Gasmasken geschützt, begaben sich Fritzsch und ein paar seiner Helfershelfer dann in die dicht gefüllten Räume, um dort Zyklon-B-Kristalle auzuschütten.« (Quelle: P. Przybylski, »Täter neben Hitler« Panorama-Verlag) Danach wurde es in den KZs Auschwitz, Majdanek, Sachsenhausen (hier wahrscheinlich in flüssiger Form – Zyklon A ), Ravensbrück, Stutthof, Mauthausen und Neuengamme zur Ermordung von Menschen benutzt.

KZ Auschwitz

Wie auch in anderen Vernichtungslagern waren die Gaskammern von Birkenau mit fingierten Duschen versehen. Die SS schüttete das Zyklon B (welches hier ausschließlich verwandt wurde) durch vergitterte Rohre in die Gaskammer. Diese Rohre waren so angebracht, daß sich das tödliche Gas gleichmäßig ausbreiten konnte.
Die Zahl der in Auschwitz ermordeten Menschen wird sich nie mehr ermitteln lassen. In der Regel kamen die Transporte ohne Namenslisten an. Und jene Opfer, die man unmittelbar nach ihrer Ankunft ins Gas trieb, wurden in der Lagerkartei meist gar nicht erst registriert. Zudem mußten nach jeder größeren Vernichtungsaktion alle Unterlagen über die Anzahl der Getöteten vernichtet werden. (Quelle: P. Przybylski: Täter neben Hitler)

KZ Majdanek/Lublin

Ein Augenzeugenbericht sagt aus, das bereits im September 1942 48 Polen mit dem Giftgas ermordet wurden, wohingegen ein Düsseldorfer Gericht feststellte, daß die Vergasungsanlage von Oktober 1942 bis in den Herbst 1943 in Betrieb war. Anfangs wurden zwei Gaskammern in einer Holzbaracke eingerichtet, später wurden diese durch weitere in einem gemauerten Bau ergänzt. Sie funktionierten ähnlich den Einrichtungen in Auschwitz und sind noch heute in einer Gedenkstätte zu besichtigen. In Majdanek wurden täglich bis zu 1000 Menschen vergast. Teile des Briefverkehrs zwischen dem KZ, der Lieferfirma und der Dessauer Zuckerraffinerie sind erhalten geblieben.

KZ Sachsenhausen

Nach Aussage des Sachsenhausener Lagerkommandanten Kaindl, der vom August 1942 an das Lager bis zu dessen Auflösung 1945 leitete, regte der damalige Inspektor der Konzentrationslager, Richard Glück, SS-Gruppenführer, die Kommandanten an, nach Vorbild von Auschwitz, auch in den anderen Konzentrationslagern Gaskammern einzurichten. Im Prozeß vor einem sowjetischen Militärgericht antwortete Kaindl auf die Frage des Staatsanwalts: »Welche Vernichtungsarten gab es in ihrem Lager?«: »Ich habe Mitte März 1943 die Gaskammern als Massenvernichtungsmittel eingeführt.« Anmerkung: Stand Juni 2008

KZ Ravensbrück

Im Frauenlager Ravensbrück wurde erst in der Schlußphase eine Gaskammer eingerichtet. Ausgesonderte Häftlinge aus dem Lager Ravensbrück, die im ehemaligen Ravensbrücker Jugendlager Uckermark zusammen gepfercht worden waren, wurden im Stammlager Ravensbrück mit Zyklon B vergast. Die Aufseherin Ruth Closius-Neudeck gab zu Protokoll: »Als ich das Lager Uckermark übernahm, waren ungefähr 4000 Häftlinge aller Nationen vorhanden. Als ich nach ungefähr 6 Wochen von der Uckermark versetzt wurde, waren nur noch 1000 Häftlinge übrig. Während meiner Tätigkeit sind demgemäß ungefähr 3000 Frauen für die Vergasungen ausgesucht worden.«

KZ Stutthof

Die erste hier nachgewiesen Vergasung fand am 22. Juni 1944 statt. Etwa 100 Personen, vor allem Polen und Weißrussen gegen die ein Exekutionsbefehl des Reichssicherheitshauptamtes vorlag, wurden ermordet. Die meisten Vergasungen nahm der SS-Unterscharführer Otto Karl Knott vor. Er war im Sommer 1943 in einem Lehrgang in Oranienburg zum Desinfektor, auch im Gebrauch mit Zyklon B, ausgebildet worden.

KZ Mauthausen

Hier wurden in einem »nicht unmittelbar zur Vernichtung erbauten KZ« tausende Menschen mittels Giftgas getötet. Dies geschah im Hauptlager, im größten Nebenlager Gusen sowie in einem Gaswagen, der zwischen beiden Lagern pendelte. Im Keller der »Krankenstation« wurde im Herbst 1941 mit dem Bau einer Gaskammer begonnen. Neben ihr befanden sich auch die Krematorien. Der SS-Hauptscharrführer Martin Roth, von Anfang Mai bis zur Befreiung Mauthausens Komandoführer des Krematoriums, hat vor Gericht gestanden, zwischen März 1942 und Ende April 1945 neben anderen Hinrichtungen auch an der Tötung von 2692 Gefangenen mittels Zyklon B teilgenommen zu haben.

Anwendung zur Vernichtung von Schädlingen und Ungeziefer

Zyklon B wurde für die Schädlingsbekämpfung in vielfältiger Weise verwendet. Es wurde sowohl gegen Säugetiere (Mäuse, Ratten) als auch Insekten (Motten, Fliegen) in Mühlen, Transportschiffen, Küchen, Lebensmittellagern oder Kleiderkammern eingesetzt. Im Krieg wurde es vor allem zum Kampf gegen die Kleiderlaus eingesetzt, dem Überträger des Fleckfieber. Zu diesem Zweck wurde es in großen Mengen von Wehrmacht und SS geordert. Dieser Zweck ist auch der Grund, warum Zyklon B an sämtliche Konzentrationslager geliefert wurde.